Rennöfen - historische Stahlproduktion


Wozu historischer Stahl?

Moderne Stähle haben in der heutigen Produktion und Fertigung unbestreitbare Vorteile, wenn sie auch für den klassisch arbeitenden Schmied nicht immer das optimale Material sein können. Aufgrund der industriellen Herstellung ist die Zusammensetzung - zum Beispiel durch den eingesetzten Schrottanteil - nicht mit historischen Stählen zu vergleichen. Auch heute noch werden die reinsten Stähle in klassischen Lehmöfen aus bestem Eisenerz unter Einsatz von Holzkohle hergestellt: z.B. in Japan oder im Rahmen von Experimenten zur historischen Eisen- und Stahlerzeugung. Aber in den europäischen Handel gelangen diese als Rohmaterial nicht.

Als Region mit einer sehr langen Geschichte der Eisenproduktion bietet der Westerwald eine Fülle an Informationen und Rohstoffen zur Produktion von authentischem Material, für Repliken historischer Waffen und Werkzeuge. Nur wie erzeugten die Schmiede früher eigentlich Stahl?

 

Wie wird Stahl gemacht?

Zu Beginn der Eisenzeit steht die Entdeckung eisenhaltiger Erze. Bereits in der Bronzezeit wurden Verfahren zum Schmelzen von Erzen im Lehmofen entwickelt und auf dieser Wissensbasis aufbauend konnten jetzt die neuen Materialien gewonnen werden. Da aber die Temperaturen, die zur Reduktion des im Erz erhaltenen Eisenoxyds über denen zur Bronzeherstellung nötigen liegen - ab etwa 1000 Grad Celsius - mussten die gebräuchlichen Öfen zu Beginn natürlich den neuen technischen Bedürfnissen angepasst werden. Vor allem wurden sie mit der Zeit höher gebaut und durch dickere Wände besser gegen Temperaturverlust isoliert.



Die Konstruktion

Der Name des Rennofens kommt von den im Inneren rinnenden Schlacken. Er wurde aus Lehm gebaut.  Um ein Weiden- oder Haselgeflecht wurde mit Häcksel vermischter und mit Sand gemagerter Lehm geschmiert. Im unteren Bereich sind oft Feldsteine mit Lehm zu einem Fundament aufgemauert worden.

Konstruktiv waren vor allem eine Windöffnung für die Sauerstoffversorgung des Feuers und mindestens eine Öffnung für den Abstich von aufgeschmolzenem Lehm und Gestein ( Schlacke ) nötig. Rekonstruktionen von Öfen der frühen Eisenzeit ergeben eine untere Wandstärke von bis zu 45 cm bei einer Gesamthöhe des Kamins von max. 160cm. Bei den rekonstruierten Vorlagen beträgt der Durchmesser im unteren Bereich des Ofens ca. 30cm,an der Kaminöffnung oben etwa 20 cm. Bei diesen Massen ist ein starker Eigenzug nicht ausreichend, so dass die Verwendung von Blasebälgen vermutet werden muss.

 

Seminare:

Die Wollschmiede veranstaltet auf Anfrage Rennofenseminare für kleine Gruppen.